Sankt Barbara

Name bedeutet: die Fremde (griech.)

Gedenktag katholisch: 4. Dezember

 

Barbara war vielleicht Märtyrerin unter Galerius Valerius Maximinus, genannt Daja. Sie ist aber eine historisch eher unwahrscheinliche Figur, dennoch eine der bekanntesten christlichen Heiligen. 

Ausführlich berichten die Legenden von Barbaras Schönheit und ihrem scharfen Verstand. Eines Tages habe sie ihre Eltern gefragt, ob die Götter Menschen gewesen seien und warum man diese und nicht eine unsterbliche Gottheit anbete. Sie richtete in einem Brief ihre Fragen an Origines, der ihr als der gelehrteste Weise von Alexandria genannt war. Durch den Priester Valentinus schickte er ihr die Antwort. Barbara bezeichnete den Besucher als Arzt, damit ihr Vater den Besuch zuließ; Valentinus belehrte und taufte sie. 

Nach anderen Fassungen der Legende wurde Barbara von ihrem heidnischen Vater, dem reichen Dioskuros von Nikomedia, in einen Turm geschlossen, weil er auf seine bildschöne und verführerisch junge Tochter eifersüchtig war und sie am Heiraten hindern wollte. Während der Vater auf Reisen war, ließ Barbara sich taufen: vom Heiligen Geist erleuchtet, sei sie in ein heidnisches Opferbecken gestiegen und habe die Taufe durch Johannes den Täufer, der ihr erschien, erhalten. 

Noch anders wird erzählt und teilweise dargestellt, dass Barbara den Vater um den Bau eines Bades gebeten habe. Nachdem sie nicht die vom Vater angeordneten zwei Fenster, sondern drei als Zeichen der Dreieinigkeit habe anbringen lassen, ein Kreuz mit der Hand in den noch feuchten Putz gedrückt und ein kostbares Kreuz auf den Sockel eines gestürzten Götterbildes gestellt habe, empfing sie im Bad ihres luxuriös eingerichteten Turmes die Taufe. Als ihr Vater von einer Reise zurückkehrte, stellte er sie - empört über den veränderten Bau - zur Rede; sie offenbarte sich ihm nun als Christin. Der Vater wollte sie deswegen erschlagen lassen, aber auf wunderbare Weise fand sie einen Weg aus dem Turm, floh und fand Unterschlupf bei einem Hirten. Der verriet den nach Barbara suchenden Häschern ihren Aufenthaltsort in einer Höhle und wurde dafür zur Strafe von Gott in einen Mistkäfer verwandelt - nach anderer Überlieferung wurde er zu Stein und seine Schafe zu Heuschrecken.  

Barbara wurde von ihrem Vater dem römischen Statthalter Marcianus ausgeliefert, doch auch ihm gelang es nicht, sie zur Entsagung ihres Glaubens zu bewegen, obwohl er sie geißeln ließ; Barbara sprach von den Geißeln "als ob es Pfauenfedern gewesen seien"; nachts erschien ihr dann Christus im Gefängnis, um ihre Wunden zu heilen. Der erbitterte Statthalter ließ Barbara mit Keulen schlagen, ihr die Brüste abschneiden, sie mit Fackeln brennen. Dann wurde sie vor Gericht gestellt und verurteilt, sich nackt auf dem Markt den Blicken der Leute preiszugeben; auf ihr Gebet hin wurde sie aber mit Wolken und Nebel bedeckt. Daraufhin sollte sie enthauptet werden; der rachsüchtige Vater selbst hat das Urteil vollstreckt, gleich darauf traf ihn ein Blitzschlag und er verbrannte. 

Schon frühzeitig wurde Barbara Mittelpunkt der Verehrung, ihr Kult hat seinen Ursprung im Osten. Das früheste Zeugnis für ihre Verehrung im Abendland bildet ein Pfeilerfresko von 705/706 in der Kirche S. Maria Antiqua in Rom. Reliquien kamen um 1000 nach Venedig und von dort nach Torcello. Als Grubenname im Bergbau taucht Barbara in Tirol seit dem frühen 14. Jahrhundert auf. 

Aufgrund des Blitzschlag gegen ihren Vater wurde Barbara mit dem Blitz in Verbindung gebracht, bei Stürmen werden Gebete an sie gerichtet. Aus demselben Grund ist sie die Schutzheilige der Artillerie. Ihr Bildnis wurde früher häufig auf Waffenlagern und Pulvermagazinen aufgestellt; der Pulverlagerraum eines französischen Kriegsschiffes wird noch heute als Sainte-Barbe bezeichnet. 

Zahlreiche Volksbräuche zeigen ihre Beliebtheit: Zweige werden an ihrem Gedenktag als "Barbarazweige" von Apfel- oder Kirschbäumen abgeschnitten und ins Wasser gestellt; blühen sie am Weihnachtsfest, dann wird das als gutes Zeichen für die Zukunft gewertet. Dieses Brauchtum soll auf Barbaras Gefangenschaft zurückgehen: sie habe einen verdorrten Kirschbaumzweig mit Tropfen aus ihrem Trinknapf benetzt; in den letzten Tagen ihres Lebens, schon im im Bewusstsein ihres Todesurteils, fand sie Trost darin, dass der Zweig in ihrer Zelle blühte. Tatsächlich sind die Zweige ein alter Orakelbrauch: wenn man vor Wintereinbruch das Vieh von den Weiden in die Stallungen trieb, nahm man solche Zweige von den Bäumen mit, zu Weihnachten schloss man aus der Anzahl der Blüten auf die Fruchtbarkeit des darauffolgenden Jahres. Symbolisch stehen die aufgeblühten Zweige für Jesus, den "Spross aus der Wurzel Jesse": Wenn die Knospe die enge Hülle sprengt, erwacht der Gläubige durch die Geburt des Erlösers zu neuem Leben. 

Die hl. Barbara hat in kirchlichen Darstellungen zum Attribut einen Kelch mit darüber schwebender Hostie, genau dasselbe Symbol, woran überhaupt der Glaube kenntlich ist. So guten Sinn dieses gibt, und so sehr es sich auch aus dem Leben der Heiligen erklären ließe, so wäre es doch möglich, daß sie aus einem andern Grunde den Kelch mit der heil. Hostie zum Attribute hätte. Die hl. Barbara gilt in der kathol. Kirche als Patronin der Sterbenden, namentlich in der Beziehung, daß, wer von ihnen sie anruft und verehrt, nicht ohne Sterbsakramente von hinnen scheide. Ihr Name kommt auch in der Litanei der Sterbenden vor. Ein eklatantes Beispiel in dieser Hinsicht findet sich in dem Proprium der Diözese Utrecht, welches Beispiel auch von Surius aufgenommen wurde. Es war im Jahre 1448, als in einem niederländischen Dorfe ein Brand entstand, und das Haus eines Mannes ergriff, der fast ganz verbrannt, von der hl. Barbara, die er allzeit verehrte, aus den Flammen geführt ward und nicht eher verschied, als bis er die heil. Sterbsakramente der Buße und des Altars empfangen hatte. Zur Darstellung dieses Patronats ist nichts passender, als der Kelch mit der hl. Hostie. Vielleicht auch hat sie dieses Attribut, weil sie nach der Legende in jener Felsenhöhle, die sich ihr auf der Flucht vor dem Vater öffnete, von den Engeln die heil. Eucharistie empfangen haben soll. 

Uebrigens wird die Heilige als Prinzessin gewöhnlich mit einer Krone, und wegen ihres sanften Charakters mit holdseligen Zügen, ein wenig lächelnd dargestellt. Heiligenexperten sind sich einig, dass es diese Taubensanftheit sein muss, weshalb man sie zur Schutzpatronin gegen die Gewitter und Feuergefahren erkoren habe: "Im Toben der Gewitter erschöpft gleichsam der Böse seine Wut, muss aber dem sanften Glauben weichen. Daher ruft man die Heilige in schweren Ungewittern an, und sind viele Glocken, die man gegen die Gewitter läutet, auf ihren Namen getauft."

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